Skip navigation

 

All die kolportierten Probleme im Vorfeld von „Echte Wiener 2“ (zu wenig Budget, Ernst Hinterbergers Absprung, Kurt Ockermüllers Absprung, keine Förderung,…) gaben Anlass zur Hoffnung ,dass vielleicht in „Echte Wiener 2“ etwas maßgeblich anders gemacht wird, dass „Fehler“ aus dem ersten Teil vermieden werden oder dass wasweissdennich ,Mundl endlich in gewohnter Stärke wieder auferstehen würde um uns, all den Problemen zum Trotz, zum Lachen zu bringen (böse Zungen meinten „oder dass auf „Echte Wiener 2″ gänzlich verzichtet wird“)

Die Story, die Sackbauers erben eine VILLA! in Baden (Die Deppat’n und die Gspritzt’n) mit SCHWULEM! Nachbar Tholar, EHEPROBLEME! zwischen Mundl und Toni, FINANZIELLE PROBLEME! bei Enkel Rene und ein HIPHOPPENDER!! Urenkel ,holen einen allerdings schnell auf den Boden der „REALITÄT“ zurück und lassen jegliche Hoffnung auf einen lustigen Kinoabend schon im Keim ersticken.

Die Story wirkt konstruiert, allerdings nicht um Spass zu machen sondern um „Mundl“ mit möglichst vielen Problemen der „heutigen Welt“ ,der „modernen Welt“ ,zu konfrontieren. Frei nach dem Motto „…je mehr Schwulen, Ausländern und „Jungen Leuten“ sich der Mundl gegenübersteht desto besser!“ Um dann zu sehen wie der Mundl reagiert, um sich dann gehörig darüber zu wundern.

Eine meiner Meinung nach sehr fragwürdige Art Mundls Geschichte zu erzählen,
zum einen, da die „Echte Wiener“ Filme wirken wie eine Art „Sozialgarten“ wo die Familie Sackbauer von „Gehäge“ zu „Gehäge“ stolpert ,in Bildern mit ständig erhobenem Zeigefinger auf Moral pochend, dass wenn Mundl tolerant sein kann, wir das alle können ,das ganze wirkt nervig, plump und so zwanghaft dass es eigentlich schon wieder eine Diskriminierung darstellt (der Schwule, die Jungen, die Ausländerfamilie,…), auf gar keinen Fall aber, welchen Anspruch der Film aber stellt, auch nur irgendwie realitätsnah zu sein,
zum anderen, da die Reaktionen Mundls auf die jeweiligen Situationen mehr als fragwürdig sind, „ist das tatsächlich unser Mundi !?“ Führt man sich vor Augen dass in der alten Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ Edmund Sackbauer sich nicht nur gegen das Feuerwerksgesetz hinweggesetzt hat, jegliche Sicherheitsbestimmungen ignoriert hat, stets besoffen war, Emanzen schlagen wollte, sexistisch war ,sondern auch nicht bei jedem Handgriff auf Pathos, Moral und politische Korrektheit bedacht war (sondern eigentlich das genaue Gegenteil), fragt man sich im Kinosaal dann „was mach ich hier eigentlich ?“

Der Mundl den wir in Echte Wiener vorgesetzt bekommen hat nichts mehr mit dem zu tun was wir aus den 70ern kennen ,alt ,traurig leer, schwach, … das ist es was der Film ausdrückt. Das einzig „lustige“ was die Regie konservierte war das sprechen im Wiener Slang, was leider ein totaler Griff ins Klo war. Denn der Slang wird von den Schauspielern erstens nicht beherrscht und wirkt erbärmlich gestellt was dem Zuschauer wiederum jenes „Danke, Ja, Mundart ich habs verstanden !“ penetrant ins Gedächtnis hämmert. Zweitens scheinen diejenigen ,die für die Dialoge verantwortlich sind noch nie Menschen „anderer sozialer Klassen“, oder „jungen Menschen“ beim Reden zugehört zu haben. Denn es spricht einfach niemand so,was die Dialoge zum Graus werden lässt. Fährt man einen Tag lang in Wien mit der U Bahn wird man niemanden finden der so spricht wie die Menschen in diesem Film. Auch Mundls Urenkel in dem Film wirkt durch das was er sagt, wie er es sagt einfach nur peinlich und man würde am liebsten wegschauen/hören ,sowohl jung als auch alt. Es kommt vor als stammt sein Text aus der Feder der Menschen die nach wie vor meinen Jugendlich nennen Fahrräder „Drahtgurken“ und dann wären sie „cool“.

Ausserdem hat Karl Merkatz sich über die Jahre so krampfhaft versucht vom „Mundl“ Image zu lösen, und in der Öffenlichkeit einfach so oft als Vorbildfunktion sich zu präsentieren versucht, stets um Schriftdeutsch bemüht, dass selbst er als Hauptrolle in „Echte Wiener“ den Slang verlernt hat, was somit alle Protagonisten unnatürlich und aufgesetzt wirken lässt.

Wenn also schon die Schauspieler offensichtliche Probleme mit den Rollen haben, und sich mit ihnen anzufreunden wie soll es denn dann dem Zuschauer gelingen ?

In den 70ern war Karl Merkatz „der Mundl“ ,der Prolo ,der Antiheld einer durchaus umstrittenen Fernsehproduktion, die die Seiten „des Wieners“ zeigte „die man doch nicht zeigen kann !“ was dem Zuseher Spass machte zu sehen, und natürlich Kritiker auf den Plan rief “ so etwas könne man doch nicht zeigen!“
Heute mehr als 40 Jahre später scheint es genau umgekehrt zu sein, die Kritiker von einst scheinen den Regiestift in die Hand bekommen zu haben ,denn Mundl wird gar nicht fertig angepasst, politisch korrekt und „menschlich“ zu sein um innerhalb von 110 Filmminuten auch noch die letzten Bastionen seiner Eigenständigkeit, seiner Rebellion, seiner politischen Unkorrektheit ,einzureissen und für immer zu vernichten.

Ob das denn dann ein Happy End ist muss jeder für sich selbst entscheiden, der „Mundl“ jedenfalls IST untergegangen – Trottln eigentlich

Ich hätte mir für „Echte Wiener 2″ etwas mehr Clint Eastwood, Southpark, Charlie Sheen, Mickey Rourke ,Addams Family gwünscht

– dafür etwas weniger Rosamunde Pilcher, Deutschbuch (Kapitel Dialekt/Jugendsprache) ,Integration für Anfänger ,“Gefühl“ ,eine himmlische Familie

Mit einem Wort „Da Mundl und da Woame“ wäre bestimmt streitbarer gewesen, aber sicher echter und hätt mehr Spass gemacht !